Kirchenchor St. Martinus Nottuln

Wir waren dabei!

Gemeinschaftskonzert der Nottulner Chöre

Nottuln, 30.09.2025 -
200 Stimmen, ein Atem – und eine Gemeinde, die klatscht, stampft und weint.

Es war ein musikalisches Erdbeben in der St.-Martinus-Kirche. Rund 200 Sängerinnen und Sänger auf der Altarfläche, mehr als doppelt so viele Menschen im Publikum – und eine Stimmung, die von der ersten bis zur letzten Note trug.

„Bombastisch“, fasste eine Besucherin atemlos zusammen. Viele wünschten sich schon während des Abends: Bitte mehr davon! Lasst Nottuln Vorbild sein, wie man Chören Raum gibt.

Pünktlich um 16 Uhr eröffnete am Sonntag die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Susanne Diekmann den zweiten Chortag des Nottulner Chorwochenendes. Sie erinnerte daran, dass es mehr als eineinhalb Jahre Planung gebraucht hatte, bis dieses Wochenende mit seinen Workshops für Stimmbildung, Atemtechnik und Bühnenpräsenz Wirklichkeit werden konnte.

Dank galt dem Fachbereich Wirtschaft, Kultur, Marketing in der Gemeindeverwaltung mit Lea Jokisch, Judith Frey und Rieke Orel – dem Team, das die Idee von Dr. Dietmar Thönnes aufgegriffen und umgesetzt hatte.

Doch kaum verklangen ihre Worte, brach ein Klangsturm los: „Schau auf diese Welt“ von John Rutter, gesungen von allen 200 Stimmen gemeinsam, erfüllte die Kirche. Schon der Anblick der riesigen Chorgemeinschaft, Schulter an Schulter auf der Altarfläche, war ergreifend – als ob Nottuln selbst zu einem einzigen großen Chor geworden wäre.

Die „Steverlerchen“ eröffneten den Reigen der einzelnen Chöre: Mit „Bist du glücklich, klatsch doch einfach in die Hand“ rissen sie das Publikum sofort mit – das Stampfen auf den Holzpodesten ließ die Kirche vibrieren. Pippi Langstrumpf und „Gib mir deine Hand“ machten daraus ein kleines Fest der Unbeschwertheit.

Dann betrat inCantare die Bühne – zunächst im Schulterschluss mit den Steverlerchen, dann allein. Mit einem schnellen Kostümwechsel in Nonnenkutten überraschten sie mit einem Sister-Act-Medley, das das Kirchenschiff förmlich zum Swingen brachte. Lachen, Mitwippen, Szenenapplaus.

Besinnlicher wurde es mit dem evangelischen Kirchenchor: „Lobe den Herrn! Sing ihm dein Lied!“ erklang wie ein aufrichtiges Gebet. Spätestens bei „Nimm, o Herr, meine Hand“ wischten sich manche Zuschauer verstohlen eine Träne aus dem Auge.

Chorisma und Joy brachten mit „Viva la feria“ und „You got the love“ pure Lebensfreude, während Chorios mit „Talking to the moon“ von Bruno Mars die Brücke in die Popwelt schlug.

Anchora gab mit „Flowers“ von Miley Cyrus und „Into the West“ (Annie Lennox) der Moderne eine Stimme voller Wärme. Da Capo ließ mit „Vois sur ton chemin“ Erinnerungen an „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ aufleuchten. Der Kirchenchor St. Martinus Nottuln fügte mit „Cantate Domino“ und „Da wohnt ein Sehnen“ eine spirituelle Dimension hinzu.

Dann der Auftritt des MGV Nottuln. Der Tag hatte mit einer Schreckensnachricht begonnen: Der Chorleiter war erkrankt. Erst ratlose Gesichter, dann die mutige Entscheidung: Wir singen trotzdem! Nicol Matt, der neue Kantor von St. Martin, sprang kurzfristig ein. Nach nur zwei kurzen Einsingchecks stand er vor den Männern – und hob die Hände. „Santiano“ donnerte durch die Kirche, „Über den Wolken“ erhob sich zu einem kollektiven Sehnsuchtslied. Nur das für den Abend geplante Stück „Im See“ von Peter Amadeus Schneider musste entfallen. Doch das Publikum jubelte, und Nicol Matt zeigte nach dem letzten Ton beide Daumen hoch.

Parallel zu den Konzerten hatten am Wochenende Workshops die Sängerinnen und Sänger bereichert. „Es geht darum, die Stimme auf den Atemfluss zu legen“, erklärte Stimmbildungs-Dozentin Anna Sophie Brosig. „Nicht verkrampfen, sondern öffnen. Dann klingt ein Chor wie eine einzige Stimme. Das ist beglückend.“

Wer den Gesamtklang an diesem Tag hörte, wusste: Genau das war gelungen. Zum Schluss sangen alle Chöre zusammen „The Rhythm of Life“. Da brachen alle Dämme. Das Publikum sprang auf, klatschte im Takt, stampfte, rief nach einer Zugabe – die es nicht gab. Vielleicht war das sogar richtig: Denn so blieb der Moment wie ein leuchtender Edelstein im Gedächtnis.

„Das war mehr als Musik. Das war pure Lebensfreude, gepaart mit Tiefe und Ernsthaftigkeit“, sagte eine Besucherin. Eine andere: „So etwas muss es wieder geben, sonst fehlt uns etwas.“

Lea Jokisch vom Kulturamt strahlte. „Eigentlich war es als einmalige Premiere gedacht. Aber die Resonanz ist überwältigend. Wer weiß – vielleicht wird daraus eine Tradition.“ Fest steht: Dieses Wochenende hat gezeigt, wie wichtig Chormusik für die kulturelle Identität Nottulns ist. Über 200 Sängerinnen und Sänger, über 400 Zuhörer – und eine Gemeinde, die spürte: Hier geschieht etwas, das verbindet.